Deusu.de Blog

31.3.2018

Transgender Day of Visibility

 

Heute ist mal wieder Transgender Day of Visibility. Vor genau einem Jahr hatte ich diese Gelegenheit für mein öffentliches Coming Out genutzt. Mein damaliger Artikel wurde in den vergangenen 12 Monaten fast 2000x gelesen.

So sah ich am 30.3.2017 aus. Wenn ich dieses Foto heute sehe... Oh, je!!! Was hatte ich mir nur bei dem Makeup gedacht? Naja, man lernt hinzu... :-)

Heute werde ich mal berichten, was sich seitdem für mich verändert hat...

Wie man der Fotostrecke rechts entnehmen kann, hat sich mein Äußeres in den letzten 12 Monaten deutlich verändert. Makeup muss man halt erst einmal lernen. Und vor allem brauchen die Hormone Zeit um einen zu verändern. Genauso wie die Haare Zeit brauchen um zu wachsen.

Natürlich hat sich in der Zeit nicht nur mein Gesicht verändert. Mein Körper ist insgesamt weiblicher geworden. Weibliche Rundungen und eine viel weichere Haut sind einige der körperlichen Veränderungen.

Am 2.7.2017 sah ich dann schon etwas anders aus. Eine andere Haarfarbe und mehr Übung beim Makeup können einiges bewirken.

Auch meine Psyche hat sich im Laufe des Jahres verändert. Während es mir anfangs zugegebenermaßen noch etwas schwer gefallen ist mich selber wirklich als Frau zu sehen (besonders wenn man sich morgens unrasiert und ungeschminkt im Spiegel sieht), klappt das inzwischen problemlos.

All die Änderungen haben sich besonders auf mein Selbstbewusstsein ausgewirkt. Während ich früher eher introvertiert und unsicher war, bin ich inzwischen fast schon extrovertiert und frech. :-)

Rechts ein weiteres Foto von mir, welches am 2.10.2017 gemacht wurde. Inzwischen hatte ich gelernt mein Makeup dezenter zu gestalten. Weniger ist halt manchmal mehr.
 

Ein große Hilfe für mein Selbstbewusstsein waren vor allem meine Besuche im Lili Marlene in Dortmund, einem Treffpunkt für transidente Menschen. Das Lili Marlene wird übrigens am 7.4.2018 ab 20:00 Uhr sein 10-jähriges Bestehen feiern.

Dort mit anderen Betroffenen ins Gespräch zu kommen war für mich enorm wichtig. Nicht nur weil ich dort Gleichgesinnte treffen konnte, sondern weil mich dies vor allem aus meiner früheren Selbstisolation heraus geholt hat.

Was auch geholfen hat, war am 25.1.2018 von der Anne-Frank-Realschule in Greven zu einem Infoabend zum Thema "Was weiß Google über mich" als Expertin eingeladen zu werden. Herzlichen Dank für diese Gelegenheit!

Dies war mein erster Auftritt als Frau vor einer etwas größeren Zahl von Menschen (circa 50-60 Personen). Vor allem dass meine Transidentität dabei überhaupt nicht Thema war, fand ich sehr gut.

Und Dank dieser Veranstaltung bin ich auch zum ersten Mal als Frau in die Zeitung gekommen. Weitere Informationen und Fotos zu dieser Veranstaltung gibt es hier.

Und noch ein weiteres Foto, diesmal vom 29.3.2018. Ich trage auf diesem Foto nur ganz wenig Makeup, und auch nur zu dem Zweck meinen leider immer noch vorhandenen Bartschatten zu kaschieren. In dieser Aufmachung gehe ich zum Beispiel Lebensmittel einkaufen. Wenn ich Abends ausgehe, trage ich dann aber doch etwas mehr Makeup als auf diesem Foto. Da möchte ich dann ja schön aussehen. :-)
 

Vor einem Jahr während meiner Anfangszeit bin ich auf der Straße noch gelegentlich angestarrt worden. Das ist mir jetzt schon lange nicht mehr passiert. Dafür halten mir Männer inzwischen immer öfter die Tür auf. Das erste Mal denkt man sich noch nichts dabei, aber wenn so etwas immer wieder vorkommt... ist ein schönes Gefühl. Offenbar scheine ich bei Leuten, die nicht schon im Vorfeld wissen, dass ich Transgender bin, wohl mittlerweile als ganz normale Frau durchzugehen.

Dazu passt dann irgendwie auch ein Spruch meiner hervorragenden Hausärztin (die übrigens die erste war, die mich als Frau Schöbel angesprochen hatte) als ich ihr gegenüber über heftige Stimmungsschwankungen klagte. Ein Spruch, über den ich herzlich lachen musste: "Kann es sein, dass Sie das Frau-sein schon viel zu sehr verinnerlicht haben?"

Genau wie vor einem Jahr möchte ich meine Leser auch heute wieder ermutigen Fragen zu stellen falls ihr welche habt. Nur zu. Ich beiße nicht. Ich mache dieses Posting um aufzuklären. Eure Fragen zu beantworten hilft dabei.
 
Und auch dieses Mal möchte ich ein Video empfehlen. Diesmal handelt es sich um ein eindrucksvolles Musikvideo welches die Probleme eines jungen Transmannes (also Frau-zu-Mann) in seiner Familie behandelt: Wrabel - The Village
 

Kommentare:
Von: (Unbekannt)
31.3.2018, 05:14
 

Hallo mutiger Mensch ich danke dir für deine Offenheit.

Da ich nun seit Anfang 2017, nach einer lebenslangen Unterdrückung und dem damit verbundenen inneren Leid, meinen Entschluss gefasst habe mein eigenes "Ich" zu leben, erahne ich welche Freiheit du in dir bereits schon erlangt hast.

Von daher finde ich es mutig, gut und wichtig dass du andere Menschen ermutigst und erlaubst zu fragen, damit weiterhin das hohe Gut der Freiheit, die die Generationen vor uns unter einem unbeschreiblichen Leid und Aufopferung erkämpft und erweitert haben weiterhin uns erhalten bleibt und in viele weitere Bereiche getragen wird und sich auch dort festigt.

Nur durch den Mut Fragen über Dinge die man selber nicht versteht zu stellen, kann jeder einzelne Ängste, Sorgen und Unsicherheiten für sich aus dem Weg räumen und den Weg zu mehr Tolleranz und der damit in zusammenhang stehenden Freiheit ebnen und sich weiter entfalten lassen.

Danke für deinen Beitrag zu mehr Freiheit

C.Runa

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