Deusu.de Blog

7.11.2016

Demokratien weltweit bedroht von der Macht der etablierten Medien

 

Dieser Artikel ist meine Antwort auf eine Pressemitteilung der VG-Media vom heutigen Tag mit dem Titel "Demokratien weltweit bedroht von Macht der Suchmaschinen".

 

Wir befinden uns im Jahr 2016. Das ganze Internet ist von Suchmaschinen besetzt. Das ganze Internet? Nein! Denn eine von unbeugsamen Verlagen beherrschte Verwertungsgesellschaft hört nicht auf, das veraltete Geschäftsmodell dieser Verlage auf Teufel komm raus zu verteidigen.

Dumm nur, dass im Gegensatz zu den Galliern aus den Asterix-Heften, die Verlage hier nicht die Guten sind.

Verlage, die den Wandel der Zeit verpasst haben und jetzt mit Hilfe vom Staat ihr veraltetes Geschäftsmodell quasi unter Artenschutz gestellt haben wollen.

In ihrer aktuellen Pressemitteilung schreibt die VG-Media, das Sprachorgan der am Leistungsschutzrecht interessierten Verlage, großmundig davon, dass Suchmaschinen die Demokratie gefährden würden.

Hallo? Angebote, die die Informationen der Welt auffindbar, und damit überhaupt erst allgemein zugänglich machen, sollen die Demokratie gefährden? Bisher war ich immer der Meinung, dass es für die demokratische Meinungsbildung unabdingbar ist gut informiert zu sein...

Illusion und Wirklichkeit

In der Pressemitteilung wird der Geschäftsführer der VG-Media, Markus Runde, wie folgt zitiert: "Meinungsbildung ist der Kitt unserer Demokratien. Freie und vielfältige Presse schafft diese Meinungsbildung."

Dem stimme ich zu. Selbstverständlich. Ich habe bloß eine ganz andere Vorstellung von einer freien und vielfältigen Presse als Herr Runde.

Denn Vielfalt gibt es auf dem (deutschen) Medienmarkt nicht wirklich. Die Branchengrößen gehören einigen wenigen. Oder sind in Form der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sogar unter direkter Aufsicht der Politik. Von echter Vielfalt kann hier also keine Rede sein.

Denn bei der Kontrolle der Politik versagen diese Medien immer mehr. Nicht etwa den investigativen Journalisten dieser Verlage haben wir die großen Enthüllungen der letzten Jahre zu verdanken, sondern Personen wie Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning. Und auch Organisationen wie z.B. Netzpolitik.org oder The Intercept, welche sich durch ihre Berichterstattung über Themen auszeichnen, welche von den weitgehend regierungsunkritischen Massenmedien überwiegend totgeschwiegen werden.

Denn seien wir mal ehrlich: Haben sich die großen Medien in den letzten Jahren wirklich ernsthaft für Bürgerrechte und für die Aufklärung der massiven Überwachungsskandale eingesetzt? Nein. Ganz im Gegenteil. Bei den meisten Medien sehen wir doch eine mehr und mehr nach rechts driftende Grundeinstellung, welche auf immer mehr Überwachung der Bürger durch den Staat setzt. Dem steht die Wahrung von Grundrechten doch nur im Weg.

Suchmaschinen unterstützten die Meinungsbildung

Wer aber seine - angebliche - Aufgabe des Schutzes der Demokratie durch eine unabhängige Presse nicht ausübt, der darf sich dann meiner Meinung nach nicht auf diese Aufgabe berufen wenn er aufgrund einer verfehlten Geschäftspolitik in Schwierigkeiten gerät. Und dann ausgerechnet Geld von den Anbietern haben möchte, die diesen Verlagen einen Großteil ihrer immer weiter schwindenden Leserschaft (kostenlos) zukommen lässt.

Nicht Suchmaschinen sind eine Gefahr für die Demokratie. Sondern Verlage, die durch extrem einseitige Berichterstattung ihrer eigentlichen Aufgabe einer Kontrolle der Politik und der Regierung nicht nachkommen.

Auch bei Suchmaschinen bedarf es der Vielfalt

Aber nicht nur bei den Medien ist echte Vielfalt im Moment nicht vorhanden. Ebenso, wenn nicht sogar noch mehr, gilt dies im Bereich der Suchmaschinen.

Mit der Ausnahme von China, Russland und Japan hat Google überall einen Marktanteil von circa 90%. Eine derart konzentrierte Kontrolle des Zugangs auf Informationen ist extrem schlecht. Deshalb sind unabhängige Suchmaschinen wie DeuSu auch so wichtig. Denn nur die Informationen sind der Allgemeinheit zugänglich, die man auch finden kann. Und hierbei einem einzigen Anbieter zu vertrauen ist einfach dumm.

Kommentare:
Von: (Unbekannt)
8.11.2016, 09:20
 

Nur drei Länder - Ceznam und Naver sind also inzwischen auch von "Standard Oil"s Wiedergänger plattgemacht worden?

Von: (Unbekannt)
8.11.2016, 15:41
 

#Danke Merkel

Von: (Unbekannt)
8.11.2016, 21:32
 

Was hilft die Vielfalt der Suchmaschinen gegen die Einfalt der Nutzer...??

Gruß Alex

Von: (Unbekannt)
13.11.2016, 10:20
 

Hallöchen Michael,

ein guter Artikel, welcher mich zu einem eigenen veranlaßte!

Leider gibt es bei dir ja keine Trackbacks oder Pingbacks hier auf dem Blog, folglich hier der Link zu meinem Artikel (falls erlaubt):

http://tmowizard.square7.ch/wordpress/2016/11/08/yacy-deusu-lsr-die-freie-meinungsbildung-wird-von-regierungen-und-verlagen-bedroht/

Auch wenn das nicht direkt so aussieht helfe ich doch irgendwie fleißig mit, daß deine DeuSu weiter bekannt wird! ;-)

Viele Grüße nun aus TmoWizard's Castle zu Augsburg

Mike, TmoWizard

Von: Michael Schöbel
13.11.2016, 10:24
 

Deinen Artikel hatte ich schon gesehen. Tauchte in meinem Referer-Log auf. :)

Bezüglich Leistungsschutzrecht: Die Seiten von denen, die sich beim LSR von der VG-Media vertreten lassen, werden auf DeuSu nicht angezeigt.

-- Michael Schöbel

Von: (Unbekannt)
21.11.2016, 04:45
 

Hallo Michael,

ich schaue immer mal wieder hier vorbei um zu sehen, wie es mit Deu.Su weitergeht. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass meine Seite gar nicht indexiert ist, obwohl ich sie schon mehrfach eingereicht habe und sie bei den großen und kleinen (Google, Yandex, Bing, Seznam, coc coc [Vietnam], yooz [Iran], Qwant...bzw. deren Verwerter Yahoo, DuckDuckGo, Ecosia usw.) sehr gut (Google/Yandex/Seznam/coc coc) bzw. mittelmäßig-gut (Rest) gelistet wird für entsprechende Suchanfragen. Nur Baidu will nicht so recht, Naver ist ja eh quasi nur koreanisch. Davon abgesehen, komme ich selbst um Google oft nicht herum, da die anderen für meine Suchen wesentlich schlechtere Ergebnisse liefern.

Das Leistungsschutzrecht zu kritisieren geht vollkommen in Ordnung, ist es doch für die heutige Welt - bzw. diesen Sachverhalt - völlig unangebracht. Als Suchmaschinen-Betreiber würde ich unter dem anstehenden Zwang dann einfach sagen "Dann halt keine Besucher von uns"... genauso sieht es bei Adblock-Blockern aus, da sage ich auch "Pff, dann schau ich halt woanders.". Im Anschluss schlägst du aber in eine Kerbe, die einer unabhängigen (sic!) Suchmaschine bzw. ihrem Betreiber gar nicht steht. Ganz ehrlich, du scheinst vieles bei den ÖR und in den Tageszeitungen verpasst zu haben! Der Snowden Film kam auf ARD, immer wieder laufen kritische Dokus und Reportagen über Deutschland, USA, Türkei, Russland, globale Sachen usw., die zum Mit- und Nachdenken anregen - die Vielfalt ist so groß...genauso gibt es moderierte Sendungen, die sich kritisch mit den Themen Überwachung, Politik i.A., Lobbyismus, Umwelt usw. auseinandersetzen - nie gesehen auf Privat-TV. Auch die großen Tageszeitungen (Süddeutsche, FAZ, TAZ, Berliner Zeitung, ND) sowie zig regionale setzen sich regelmäßig kritisch mit entsprechenden Themen auseinander.

Kein investigativer Journalismus? Letztes IT-Beispiel NDR -> WOT-Addon verscherbelt eingesammelte persönliche Daten. Klar, die Aufmachung kann nicht mit RTL und Co mithalten, ist dafür aber auch keine inszenierte scripted reality. Es schaudert mir wirklich, wenn ich mir die ÖR (und die Tageszeitungen) wegdenke. Comedy Serien und Quizshows sind nett zum Kopf frei machen, aber die Nachrichten auf den Privaten kann man vergessen und Dokus/Reportagen haben sie nicht mal im Angebot! Ich bin heilfroh, dass es Phönix, ARTE, ZDF Info, 3SAT, BR, NDR, rbb usw. gibt...abgesehen von den (durchaus sehenswerten) Comedy/Krimi Serien bietet Privat TV doch nur Hass, Gewalt und Wetterbericht mit integrierter Konsumanimierung und Allgemeinverblödung.

Nochmal zurück zu den Suchmaschinen...natürlich hat Google nicht in allen Ländern außer China, Japan und Russland über 90%. Weiterhin gehören noch einige andere Länder wie Südkorea (Naver), Tschechien (Seznam), Ukraine/Weißrussland/Kasachstan etc. (Yandex)...selbst in den USA dürfte Google ein ganzes Stück von 90% entfernt sein, da Bing/Yahoo da wesentlich populärer sind. In Deutschland ist der Google-Anteil wohl mit am höchsten, was auch daran liegt, dass hier absolut keine Alternative (außer vll Bing/Yahoo) in Sicht ist... wir werden sehen wie es weitergeht... Google ist für meinen Bedarf den anderen, leider, immer noch ewig voraus.

Viele Grüße

SiLi

Von: (Unbekannt)
21.11.2016, 14:33
 

Herr SiLi,

Sie vergessen bei Ihrer Lobrede auf den Öffentlichen-Rundfunk, das dieser durch Zwangsgebühren finanziert wird und diese Meute auch schon Menschen in den Kerker verfrachtet hat.

Von: Michael Schöbel
21.11.2016, 14:42
 

Ok, "Zwangsgebühren" hin und her. Alles was für die Allgemeinheit gemacht wird muss auch irgendwie von der Allgemeinheit finanziert werden. Ob man das jetzt Gebühren, Steuern oder sonst wie nennt ist eigentlich egal.

Und was bitte schön ist mit "diese Meute auch schon Menschen in den Kerker verfrachtet hat" gemeint??? Ich habe nämlich *keine* Ahnung was du damit meinst...

-- Michael Schöbel

Von: (Unbekannt)
21.11.2016, 15:21
 

Ich werde gezwungen für Fernsehen zu bezahlen obwohl ich schon Brechreiz bekomme wenn ich per Zufall mal eine Sendung zu Gesicht bekomme. Zahle ich keine ZWANGSGEBÜHREN (Zwang=Gewaltanwendung oder Drohung), dann komme ich in den Kerker, so hieß früher einmal das Gefängnis.

Demnächst kommt dann noch eine Zeitungs-GEZ und kurz darauf folgt die Einheitsvolkssuchmaschine, ist ja alles für die Allgemeinheit, wie Sie so schön schreiben.

Von: Michael Schöbel
21.11.2016, 15:30
 

Ah, so war das gemeint.

Der einzige Weg bei Nichtzahlung der Fernsehgebühren in den "Kerker" zu kommen, ist wenn der Gerichtsvollzieher die Abgabe einer Vermögensauskunft anordnet und man das verweigert. Dafür muss der Gläubiger aber auch Antrag auf Erzwingungshaft bei Nichtabgabe stellen.

Das gilt übrigens nicht nur für die TV-Gebühren, sondern für alle Beträge die man irgend jemand schuldet. Sobald die Schuld rechtskräftig ist (Vollstreckungsbescheid oder ähnliches liegt vor) kann der Gläubiger bei Nichtzahlung und Verweigerung der Vermögensaufkunft Antrag auf Erzwingungshaft stellen. Dem muss dann noch das zuständige Amtsgericht zustimmen.

Und was die Qualität der Fernsehsendungen angeht gebe ich die weitgehend Recht. Ich schaue fast kein TV mehr. Das einzige was ich mir aber fast immer anschaue ist "Die Anstalt" im ZDF. Die bringen die Dinge immer gut auf den Punkt.

-- Michael Schöbel

Von: (Unbekannt)
22.11.2016, 07:34
 

Hallo Schreiber ohne Namen (ein Pseudonym hätte man doch wählen können!?)

Ich habe die GEZ dabei nicht vergessen, es geht um die Qualität und Bandbreite der Sendungen der ÖR und das hat erstmal gar nichts mit der GEZ zu tun. Davon abgesehen bin ich beim Thema GEZ mehr oder weniger auf dem gleichen Standpunkt. Ich habe meinen Unmut darüber schon vor zwölf Jahren, als die Gebühren auch für Internetanschlüsse eingeführt wurden, in einem Artikel kundgetan.

Damals war ich uneingeschränkt der Meinung, dass man ohne Empfangsgeräte (TV/Radio) auch keine GEZ-Gebühren bezahlen sollte, heute sehe ich das etwas kritischer. Die Frage ist, ob das Ganze zur Grundversorgung gehört und über ein solidarisches System finanziert werden sollte, um sich damit auch deutlich von den Privaten abzugrenzen.

Die Art und Weise ist auf jeden Fall bis heute unvertretbar, da man selbst mit einem äußerst geringen Einkommen z.B. als Student ohne Bafög-Bezug mit Nebenverdienst den vollen Betrag zahlen muss, obwohl das Geld schon so vorn und hinten nicht reicht. Die Finanzierung ist auf jeden Fall nicht solidarisch im klassischen Sinn, da jeder gleich bezahlen muss und damit einkommensschwache benachteiligt werden.

@Michael: Natur-, Umwelt-, Astronomie-, Technik-, Geschichtsdokus/-reportagen usw. nicht nichts für dich? Da gibt es dauernd gute Sachen zu sehen. So lernt man z.B. auch über Länder, die man selber wahrscheinlich nie bereisen kann.

Viele Grüße
SiLi

Von: Michael Schöbel
22.11.2016, 08:23
 

Dokus interessieren mich durchaus. Was mich aber stört ist das ganze Konzept einer festen Sendezeit. Auch die von mir erwähnte "Anstalt" sehe ich nicht während der Sendung sondern irgenwann später über die Mediathek.

Ich finde es einfach viel praktischer sich wann immer man selber will das gewünschte On-Demand anzuschauen.

Live vor dem TV sitze ich eigentlich nur noch bei Dingen mit aktuellem Bezug. Und auch das nur sehr, SEHR selten.

-- Michael Schöbel

Von: (Unbekannt)
24.11.2016, 20:10
 

SiLi = "Snowden Film kam auf ARD"

Schauen Sie sich mal den Abspann von diesem "Hollywood Film" an. Hier von einer Dokumentation zu sprechen grenzt an Wahnsinn.

Ich habe auch die anderen GEZ kritischen Beiträge hier verfasst. Nennen Sie mich in Zukunft einfach:

Friedrich der Grosse

Von: (Unbekannt)
25.11.2016, 06:31
 

@Michael:

Das klassische Fernseh-Angebot funktioniert nunmal so... wie schon vor Jahrzehnten. Selbst Leute in meinem Alter (Anfang 30) kennen kaum noch Testbild und "Gekriesel"... da hat man noch extra für eine bestimmte Sendung eingeschaltet!

Dass man vieles später noch in der Mediathek sehen kann, ist doch eine feine Weiterentwicklung... die begrenzte Aufbewahrungsdauer ist aber gerade nicht den ÖR anzulasten, denn diese hätten es gern so, haben aber in einer Entscheidung dazu unterlegen.

@Friedrich:

Ich habe nur geschrieben (in Bezug auf Michael), dass der Film auf ARD gesendet wurde und nie behauptet, dass er eine Doku sei. Ich habe ihn selber nicht gesehen (glaube zumindest nicht), sondern nur eine ganz gute Doku auf ZDF.info, als die nerd-Silvester hatten.

Zum Namen: ich hab's nicht so mit dem Dünkel, deswegen nur Friedrich.

Viele Grüße
SiLi

Von: (Unbekannt)
28.2.2017, 22:56
 

Die Mainstream Medien sind zu sehr mit dem Finanzkapital vernetzt, das läuft über Think Tanks.... etc. Was machen Journalisten, leitende Zeitungs Manager von renomierten Zeitungen beim Bilderberger Treffen, Münchener Sicherheitskonferenz, Aspen Institut, etc.?

Man muss kein Braun Esotheriker sein oder Kommunist um zu begreifen das die Mainstream Medien in erster Linie die Interessen einer kleinen feinen Finanzelite komuniziert... man nennt diesen Kreis auch die oberen 10.000.

(Meinungsmacht von Uwe Krüger... sehr interessant wie sich auch Süddeutsche NATO-nahe Journalisten der linkliberalen Hofpresse geräuspert haben)

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